Betriebliches Gesundheits-Management

Health Healthcare Disease Wellness Life Concept

In vielen Berufen verschmelzen Job und Privatleben immer mehr miteinander. Viele Arbeitnehmer machen Überstunden und sind sogar in ihrer Freizeit erreichbar. Die mobile Welt macht´s möglich und zudem erwarten die meisten Arbeitgeber heutzutage diesen Einsatz für das Unternehmen. Die unschönen Nebenwirkungen sind ein Anstieg der Stressfaktoren, die sich wiederum negativ auf die Gesundheit auswirken. Daher beschäftigen sich vermehrt Firmen mit dem betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM).

Tag und Nacht erreichbar, auch am Wochenende – für viele Arbeitnehmer in der heutigen Zeit keine Seltenheit. Doch dieses Engagement führt auf Dauer oft zu gesundheitlichen Problemen. In den meisten Fällen werden diese ausgelöst durch Stress, Überlastung oder dem klassischen Burn-Out. Doch ein Arbeitnehmer, der durch eine zu hohe Arbeitsbelastung krank wird, ist für jedes Unternehmen ein hoher Kostenfaktor. Der hohe Arbeitseinsatz für´s Unternehmen führt dabei nicht zu höheren Erträgen sondern im schlechtesten Fall zu höheren Kosten. Das haben viele Unternehmen bereits erkannt und widmen sich verstärkt – nicht erst seit gesetzliche Verpflichtungen eingeführt wurden – dem betrieblichen Gesundheitsmanagement.

Das Ziel des BGM ist es, für die Arbeitnehmer bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen. Dies steht im Einklang mit einer Verbesserung der Lebensqualität am Arbeitsplatz und fördert durch verschiedene Maßnahmen die Motivation des Arbeitnehmers sowie dessen Gesundheit. Davon profitiert der Arbeitnehmer selbst und natürlich auch das Unternehmen.

Weitere Details zum BGM, wie Firmen davon profitieren und waren es ratsam ist, sich durch spezialisierte Unternehmen dahingehend unterstützen zu lassen, erläutert uns Herr Erhard Jersch von der Jersch & Team GmbH, die auch Mitglied bei der Beraterkompetenz Oberfranken e.V. ist, im nachfolgenden Interview.

Herr Jersch, was versteht man unter BGM?
Erhard Jersch: Beim BGM unterscheidet man die Verhaltensprävention und die Verhältnisprävention. Beim ersten geht es um Maßnahmen zur Gesundheitsförderung, beim zweiten um Maßnahmen für gesunde Strukturen im Betrieb.

Was ist das Ziel?
EJ: Viele Unternehmen gehen an das BGM nur heran, um die gesetzlichen Auflagen zu erfüllen. Wir sehen eher die Chance Fachpersonal zu binden, Mitarbeiter zu motivieren, Fehlzeiten zu reduzieren, Erträge zu steigern, unnötige Stressoren zu eliminieren und Burnout zu verhindern.

Wie können Firmen profitieren?
EJ: Mit dem richtigen Mix aus “Gesundheitsförderung und gesunden Strukturen” wird die Mitarbeiterbindung und -leistung gesteigert. Die aktuelle Gallup Studie zeigt, dass hier noch viel Potenzial nach oben ist. Wenn diese Werte für das einzelne Unternehmen zutreffen bedeutet das, dass ca. 30% der ausgezahlten Löhne “zuviel” bezahlt wurden bzw. für diesen Lohn keine Gegenleistung erbracht wird. Das ist ein Wirtschaftsfaktor.

Welche Maßnahmen sind im BGM sinnvoll?
EJ: Es gibt im Gesetz eine Definition von 13 Gefährdungsarten. Viele Maßnahmen, die von Unternehmen ergriffen werden oder ergriffen wurden, zielen nur auf 11 davon ab. Es geht da – grob gesagt – um die physische Gefährdung und Maßnahmen zur Prävention und Gesunderhaltung.
Zu kurz kommt oft die psychische Belastung. Was hilft die Yoga-Übung in der Mittagspause im Aufenthaltsraum wenn gleich anschließend der Mitarbeiter beim Vorgesetzten zum “Rasieren” antreten muss? Das soll nur ein plakatives, vielleicht auch übertriebenes Beispiel sein. Neben der Verhaltensprävention sind oft Maßnahmen bei Strukturen, Abläufen, Kommunikation und Führung sinnvoll.

Wie kann ein auf BGM spezialisiertes Unternehmen interessierte Firmen unterstützen?
EJ: Gemeinsam entwickeln wir die für das Unternehmen wichtigen Punkte und ob eher in der Verhaltens- oder Verhältnisprävention anzusetzen ist. Die Bildung eines sogenannten Gesundheitszirkels ist hier meist sinnvoll. Es gibt da keine pauschale Lösung mit Optimalansatz. Jedes Unternehmen ist anders, hat seine eigene Kultur. Und was für die Firma A richtig ist muss bei der Firma B noch lange nicht passen.
Eines gilt aber für alle: “Chefsache Mensch” ist nicht nur ein Schlagwort, sondern wird künftig über den Erfolg von Unternehmen entscheiden.
Das hat auch die Bundesregierung erkannt und mit dem Förderprogramm “unternehmensWert:Mensch” für kleine und mittelständische Unternehmen den Einstieg in Beratungsleistungen erleichtert. Unser Unternehmen ist hier als Berater akkreditiert.

Das ist ein sehr umfängliches Beratungsfeld. Kann das ein Berater allein leisten?
EJ: Ja und nein. Kein Berater kann in allen Bereichen topfit sein. Bei einem Unternehmen kommen die “Stressoren” aus der Organisation, beim anderen aus der IT, beim dritten aus den Prozessen, beim vierten aus Kommunikation und Führung, beim …..
Jeder der Unternehmensberater ist irgendwo spezialisiert. Darum haben sich – derzeit – 18 Beratungsgesellschaften zum Netzwerk “Beraterkompetenz Oberfranken” zusammengeschlossen, um den Unternehmen nicht irgendeine Beratung von der Stange an zu bieten, sondern gezielt und punktgenau zu analysieren und dann den “Besten” im jeweiligen Bereich im Unternehmen einzusetzen.

Zur Person:
A42ACB55-963B-4FF1-B794-9CE564E66DFD Name: Erhard Jersch

Geboren: Mai 1957

Familienstand: verheiratet, 3 Kinder

Beruf: selbstständiger Unternehmensberater

2018-01-30T12:59:07+00:00